Kult und Kultur

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Der Blick in die Zukunft kennt viele Perspektiven - Glaube, Schönheit, Geld und Technik - dahinter verbergen sich Fragen wie kommerzielle Interessen, das Verständnis von Recht, die Sicht der Verbrecher, unterschiedliche Wahrnehmungen und Träume.

Was gestern noch der DigitalChampion war ist heute der Virologe, Gurus gab es immer und wird es immer geben und sie sind wichtig, denn sie halten uns am Leben. Gurus machen Kult und von Kult kommt Kultur und die Kultur ist es, die uns zu dem macht, was wir sind. Kultur kennt keine Wahrheit, sondern sie sucht sich immer neue Wege. Das unterscheidet das Kulturtier vom Nutztier. Kultur stellt das gemeinschaftliche Überleben über das Töten, das unterscheidet das Kulturtier vom Wildtier. Die Welt des Kulturtieres ist voller Widersprüche, das macht diese Welt so reich und so spannend. Wären wir Wildtier, würden wir jagen, in Gefahr leben und zwischendurch fressen und Sex haben. Wären wir Nutztier, würden wir fressen, in Sicherheit leben, niemals jagen und niemals Sex haben. Das Wildtier lebt ungeregelt, das Nutztier geregelt, Wie befassen  und mit Regeln erfinden und Regelbrechen. Kultur ist extrem ineffizient, aber sie macht Freude,


 

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05. Juli 2020, 21:39

Facebook

Heute habe ich im Spiegel gelesen, es gibt eine Facebook Boykott Initiative „Stop hate for profit“ der sich inzwischen auch große Unternehmen anschließen und ihre Werbung dort zurückziehen, bis echte Maßnahmen gegen Hass sichtbar werden.
Klasse. Das ist, in Zeiten des Innovationsüberflusses, mal wieder echte Innovation. Ein Signal, das der Innovationsrausch den ersten Kater hervorruft und die Berauschten sich besinnen, was die Droge denn so anrichtet. Das ist wichtig. Denn genauso wichtig wie Innovation ist zu lernen, damit umzugehen und etwas zu schaffen, was uns auch weiterhin als Gesellschafft, als Ökosystem, als vielfältige Individuen, die weiterhin nicht wissen werden, was richtig und was falsch ist, zusammenhält.
Unter Start Up‘s gilt die Devise: „fail fast“. Fehler schnell machen und daraus lernen. Zuckerberg hat immer noch nicht verstanden, was er alles falsch macht. Vielleicht hilft ihm „Stop hate for profit“, es wäre ihm zu wünschen, auch wenn er vor kurzem noch meinte, die halten nicht lange durch.

Redakteur

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28. Juni 2020, 20:47

Experten

Vor einiger Zeit habe ich mich über Experten ausgelassen, die in ihrem Feld sehr gut sein mögen, aber eben nur dort und deswegen ungeeignet sind, für eine Gesellschaft zu entscheiden. Ich stehe auch weiterhin zum Prinzip des Dilettantismus – wer entscheidet sollte kein Experte sein, sondern ein offener Geist für alle Aspekte eines Themas.
Doch jedes Prinzip stößt an seine Grenzen. Auffällig wurde es kürzlich beim Interview mit einem Professor der Polizeiakademie zum Thema Rechtsradikalismus in der Polizei. In kürzester Zeit war das Thema hochgekocht worden, Meinungsbildner aus politischer und Medienfront stürzten sich darauf und schon waren wir ein Staat auf der Kippe zum Rückfall in die dunkelste Zeit.
Und dann sprach dieser Professor. Die arme Journalistin lief mit jeder ihrer aufgeregten Fragen in ein Geflecht reflektierter und konstruktiver Gedanken, der Professor erläuterte geduldig die Welt der Polizei mit ihren Stärken und Schwächen – es war eine Wohltat.
Lag es daran, dass er nicht Ankläger war, sondern in der Verteidigung? Ich weiss es nicht. Ich bin ihm jedenfalls dankbar, weil er im Kern etwas vermittelte, was besonders wichtig ist: dass wir uns alle immer aufs neue darum kümmern müssen, in einer unvollständigen Welt gut miteinander auszukommen.

Redakteur

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27. Juni 2020, 21:47

Corona App

Es sei gleich vorweggenommen: ich will hier keine Aussage zur Wirksamkeit der Corona App machen.
Es geht mir vielmehr darum, wie die öffentliche Kommunikation damit umgeht. Und dabei muss ich immer mehr an die Zauberformeln, Stoßgebete und Fetische denken, die zu anderen Zeiten zur Bekämpfung von Unheil zu Hilfe gezogen wurden. Es werden abstrakte Heilsszenarien beschrieben, Schaubilder erklären eine theoretische Wirksamkeit in einer theoretischen Stadt ohne andere Randbedingungen, Versuche einer technischen Erklärung enden in einem heillosen Gewirr von Vermutungen und Ungereimtheiten. Der Eindruck der bleibt: wir hätten gerne, dass es hilft. Das schönste ist ein Diagramm, das zeigt, wie gut es hülfe, wenn jeder Kontakt einer möglicherweise infizierten Person sofort erkannt und isoliert würde. Schnell wird aber klar, dieses Bild hat nichts mit der App zu tun, denn würde sie so wirken, wären wir alle in kürzester Zeit wieder in Quarantäne.
Denn zwischen Wunsch und Wirklichkeit liegen Prüfungen, Abgleiche, Qualitätssicherung, Missbrauchsvermeidung. Das ernüchternde Ergebnis: Vor der Erlösung mit Wundermitteln liegt immer noch das Risiko ihrer Wirkung und Nebenwirkung. Das ist bei der App das gleiche wir bei einem Talisman.

Redakteur

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14. Juni 2020, 20:59

Ein Wunder

IBM, Microsoft und Amazon ziehen sich aus dem Geschäft mit der Gesichtserkennung mit der US-Polizei zurück. Wer hätte das vor kurzem gedacht? Ursache ist die Massenbewegung gegen Polizeigewalt gegen Afrikanischstämmige, die sich in bisher undenkbarer Form bis in das Establishment der Industrie ausgedehnt hat.
Respekt.
Zugegeben, der Druck war groß. Die Massenbewegung, die grundsätzliche Kritik an Überwachung, die Erkenntnis der Fehleranfälligkeit der Produkte, gerade bei Dunkelhäutigen, der Missbrauch, möglicherweise das Ganze gepaart mit der Chance, ein Zeichen gegen Trump zu setzen.
Es bleien viele Fragen offen: wieviel haben sie damit verdient? Was geschieht mit den Geschäften mit anderen? China, Brasilien, Militär, Handel, … Aber egal. Es ist ein Sieg des Sozialen gegen die Technik und der war dringend notwendig. Für das Soziale aber auch für die Technik: auch sie braucht Grenzen um zu lernen, in welche Richtung es Sinn macht, sich zu entwickeln und in welcher Richtung die Innovation zwar Innovation ist, aber deshalb noch lange nicht gut.
Spannend ist, dass es kein Protest gegen die Technologie war, die den Ausschlag gegeben hat, sondern ein Protest gegen ein politisches Verhalten. Anders hätte es vermutlich auch nie geklappt.

Redakteur

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10. Juni 2020, 20:44

Techno-Autoerotik

Süddeutsche von heute: ein Erlanger Informatiker hat ein Verfahren zum Fälschen von Handschriften erfunden. Er lobt sich, weil er damit Menschen, die ihre Hände verloren haben, wieder ihre Schrift geben kann. Ich sage: das ist Forschungs-Masturbation, und zwar mit den unreinsten Gedanken. Das man das böse missbrauchen kann ist ihm klar, aber daran sei er ja nicht schuld, ihm geht es ja nur um Forschung. Er tut es, weil es geht, weil er sich dabei in Rätsel vertiefen kann, weil es seinen Drang nach wissenschaftlichem Ruhm befriedigt.
Das ist etwa so innovativ wie der Coronavirus. Es ist neu, ja, es verändert die Welt, ja, aber wohin? Eigentlich ist es Rückschritt, denn es zerlegt Kultur, das einzigartige der Handschrift, in beliebige Bausteine - und hinterlässt einen Vertrauensverlust. Wir haben bereits viele vergleichbare Möglichkeiten: wir fälschen Bilder, Stimmen, Texte – man kann da schon noch mehr Ideen erzeugen: Wie wäre es als nächstes mit einem Programm, das Menschen analysiert und mir ausrechnet, was ich ihnen sagen muss, damit sie sich mir unterwerfen? sexuell, politisch, kriminell ... alles zum Ruhm der Wissenschaft.
Die Kulturgeschichte hat viel Kluges hervorgebracht, unter anderem die sieben Todsünden. Die erste davon ist die Superbia, der Hochmut. Davon weiss der Erlanger Informatiker vermutlich nichts.

Redakteur

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07. Juni 2020, 20:33

Home Office II

Auch ich mache es weiterhin. Seit Monaten. Ich eröffne morgens nach dem Frühstück am Esstisch mein Büro und bin dort bis Abend im Dienst. Dann Räume ich alles wieder weg und das Zimmer ist wieder privat.
Lange ging es recht gut, allmählich merke ich aber: die einen Dinge formalisieren sich in geübten Abläufen, andere Dinge entstehen nicht neu, da der Inkubationsraum fehlt, wo Neues entsteht. Das Geschäft läuft auf Verschleiß. Es erneuert sich nichts, auch nicht die Motivation.
Bei mir geht es noch, hatte ich auch vor der Krise das Problem, eher zu innovativ zu sein. Anderswo aber wird der Abfall in die Beliebigkeit schon unangenehm. Kürzlich wollte ich ein Fahrzeug ummelden und endete in einem Schildbürgerstreich von falschen Online Meldungen, nicht anwesenden Telefonpartnern, widersprüchlichen Zuständigkeiten und unorganisierten Abläufen nach vielen Tagen und Stunden erfolglos da, wo ich begonnen hatte. Es gab ein Problem, wegen des Lockdowns, verständlich, aber das schlimme war: die Leute gaben sich keine Mühe. Jeder irrlichterte irgendwie vor sich hin, der gegenseitige Ansporn, Dinge gut zu machen, fehlte und das führte zur Verwahrlosung.
Die Erkenntnis: Der Verfall jeder Ordnung ist permanent. Das sagt in Übrigen auch der Entropiesatz. Innovation ist daher nötig, dauernd, und sie braucht Spannung, Aufmerksamkeit und Freude am Ergebnis. Das beginnt im ganz Kleinen und endet im Großen.

Redakteur

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23. Mai 2020, 21:35

Glück

Ich ziehe um, demnächst, und verbringe entsprechend viel Zeit in einem Baumarkt. Und ich bin verblüfft, wie nett die Menschen dort sind. Alle laufen mit Masken herum, alle leiden etwas unter diesem Zustand, alles ist etwas komplizierter, aber sie sind nett. Und es ist kein „Zusammenhalten“-nett, es ist einfach nett, weil es so ist. Weil hier Leute irgendetwas wollen, Rat brauchen, suchen, und wenn man miteinander redet findet man eine Lösung. Es ist konkret, geerdet. Ist das in Baumärkte immer schon so? Fällt mir das jetzt erst auf, weil ich mich selbst entschleunigt bewege?
Ich glaube ja, dass Krisen Menschen glücklich machen, zumindest solange sie nicht selbst unmittelbar mit echtem Überlebenskampf betroffen sind. Die Welt wird klarer, Entscheidungen werden greifbarer, der Sinn zeigt sich plötzlich wieder, hinter all dem Blendwerk des Überflusses. Vielleicht manifestiert sich das besonders im Baumarkt, wo Problem, Entscheidung und Lösung so unmittelbar zusammentreffen. Vielleicht brauchen wir gerade so etwas. Ist es Innovativ? Vielleicht.

Redakteur

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17. Mai 2020, 21:16

Fortschritt

Auslöser war eine Meldung in der ein Kreis aus Politik und Lobby eine Herabsenkung der Grenze für Führerscheinentzug beim Schnellfahren als fortschrittlich bezeichnete. Anmaßend, dachte ich mir. Ist eine Einschränkung der Freiheit fortschrittlich? Also dachte ich über Fortschritt nach. An Sich ist es ja nur eine Bewegung weg von irgendwo, mehr nicht. Zunächst mal frei von jedem Motiv, nichts anderes als Bewegung an sich. Es kann also eine Anhebung der Grenze für Führerscheinentzug genauso fortschrittlich sein wie die Herabsenkung. Sinnhafter Fortschritt braucht also etwas, was seine Richtung bewertet. Das kann ein Ziel sein, etwa die Unsterblichkeit, der Weltfriede oder der Erwerb einer neuen Handtasche, das kann Flucht sein, etwa vor einem bösen Virus, oder es kann Glaube sein, dann ist der Weg das Ziel, das ist derzeit bei der Digitalisierung der Fall.
Bei der Absenkung der Grenze für Führerscheinentzug handelt es sich scheinbar um Fall 1, die Erhöhung der Sicherheit. Tatsächlich halte ich es viel mehr für Fall 3, den Glauben. Ein echtes Ziel wäre beispielsweise, autofreie Räume zu schaffen, das bräuchte allerdings ganz andere Maßnahmen, die den Krieg um den öffentlichen Raum befrieden. Hier geht es um ein ganz anderes Prinzip. Hier geht es um Regelbrecher gegen Regelbefolger, ein sehr heikles Thema, das sich gerade besonders zuspitzt. Wieviel Regeln verträgt eine Gesellschaft? Was ist Fortschritt und was ist Lähmung? Was Ist Wagnis und was ist Leichtsinn? Traditionell organisiert sich eine Gesellschaft auf zwei Ebenen: eine Ebene der Regeln und eine Ebene des Vertrauens, die ungeregelt ist, weil es ein gemeinsames Grundverständnis gibt, aufeinander zu achten. Die Zweite Ebene, die des Vertrauens, ist es, die Gemeinschaft erzeugt. Und jede Regel, auch die mit der Herabsenkung der Grenze für Führerscheinentzug, schwächt das Vertrauen. Ist das Fortschritt?

Redakteur

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11. Mai 2020, 20:47

Kulturtier – 11.5.2020

Ich habe kürzlich mein Motto geändert. Vom DigitalSozialen Tornado zum Kulturtier. Befeuert von der Geschwindigkeit des Geschehens, bei dem nahezu alles, was ich bis vor kurzem als Bedrohung gesehen hatte, nun Realität ist. Die soziale Isolation, die Funktionalisierung des Lebens mit einer andauernden Vermessung nach Kennzahlen, der Ruf nach Risikovermeidung um jeden Preis, das klare Begehren nach der völligen Kontrolle über die Natur. Ich finde das mindestens so bedrohlich wie das Virus, das uns so tyrannisiert. Nicht, dass man das nicht eine Zeit aushielte, aber der Gedanke, dass das tatsächlich zur Richtschnur unseres Verhaltens wird, unter dem Dogma des Schutzes und der Sicherheit, garniert mit Haftungsfragen und sozialem Druck, das treibt mich in die Öffentlichkeit.
Daher das Kulturtier. Es steht zwischen dem Wildtier, von dem wir abstammen, und dem Nutztier, zu dem wir einen großen Teil der Tierwelt abgerichtet haben und zu dem wir uns inzwischen selbst abrichten. Das Wildtier lebt frei, jagt, tötet und wird gejagt. Das Nutztier unterliegt einem strengen Reglement der Effizienz, der das Leben für das einzelne Tier extrem einfach macht und das Überleben einer sehr großen Zahl an Tieren ermöglicht.
Das Kulturtier ist anders. Dabei ist es diffus anders und das ist genau das Wichtige. Für das Kulturtier gibt es kein absolutes richtig oder falsch, sondern ein stetes Ringen um das gemeinsame Ziel, die gemeinsamen Werte und eine Form, die es allen ermöglicht in Würde zu sein. Es stellt die Würde in den Vordergrund, nicht Effizienz und nicht Leben und Tod.
Kulturtier sein ist schwierig, aber schön.

Redakteur

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01. Mai 2020, 21:30

Home Office

Auch ich bin zuhause. Und bin verblüfft wie gut es funktioniert und verstört von der Meinung, die Erfahrung würde ja zeigen, Home Office klappt prima, also machen wir das jetzt immer. Es funktioniert. Das hat mit Funktion zu tun. Jemand erfüllt seine Pflicht, wie ein Automat. Das hat aber nichts mit der dringend notwendigen ständigen Veränderung und Entwicklung zu tun. Dem Kennenlernen von Menschen und ihren Eigenschaften, dem neues Ausdenken, der Innovation, der persönlichen Entfaltung und Entwicklung. Home Office ist status quo erhalt, Business im Schlaf.
Aber ich habe auch eine andere Perspektive. Ich wohne (noch) am Wasser, wo Autos parken, Menschen spazieren gehen und Schwäne leben. Und nisten. Aus dem Home Office Fenster sehe ich ein Schwanenpaar, das an einer Brücke nistet. Er verteidigt das Nest intensiv. Enten sind ok, aber Gänse mag er gar nicht, die werden eindrucksvoll verjagt. Noch interessanter ist aber seine Abneigung gegen schwarze Autos. Parken dort welche, werden sie angegriffen. Vor allem der rechte Außenspiegel ist Ziel der Attacken. Bei einem Dacia hat er ihn sogar schon herunterbekommen. Mehrfach war die Polizei da und hat ihn ermahnt, aber ohne Erfolg. Die Feuerwehr kann mit einem Besen und er floh tatsächlich ins Wasser, war aber kurz darauf wieder heraussen und wagte sich sogar an einen Porsche.
Heute waren Polizei und Feuerwehr gemeinsam da und stellten über eine Strecke von 50m Halteverbotsschilder auf. Respekt, Herr Schwan.

Redakteur

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